Die Tiere und Pflanzen des Jahres 2026

„Die Natur spricht eine Sprache, die jeder versteht.“
Johann Gottfried Herder

Vogel des Jahres: das Rebhuhn

Rebhühner gehören heute zu den am stärksten gefährdeten Vogelarten. Die fortschreitende Ausräumung unserer Landschaft sowie der intensive Einsatz von Pestiziden rauben ihnen sowohl Lebensraum als auch wichtige Nahrungsquellen. Zusätzlich sind die Tiere leichte Beute für Fressfeinde und werden bis heute vom Menschen bejagt. Während Rebhühner früher in Steppen- und Waldsteppenlandschaften von Mitteleuropa bis nach Asien lebten, findet man sie heute fast ausschließlich auf offenen Flächen wie Wiesen, Feldern und Brachland. All das sind Lebensräume, die zunehmend seltener werden.

Bild: TheOtherKev

Wildtier des Jahres: Der Rothirsch

Ursprünglich war der Rothirsch ein Bewohner halboffener Steppenlandschaften. Durch die Verfolgung und Jagd durch den Menschen zog er sich jedoch immer weiter in die Wälder zurück. Dort ist er heute zwar unfreiwillig heimisch, steht aber vor neuen Herausforderungen. Straßen, Siedlungen, intensive Landnutzung und behördlich festgelegte Verbreitungsgrenzen zerschneiden seine Lebensräume, sodass viele Rotwildpopulationen voneinander isoliert sind. Hinzu kommt eine starke Bejagung, da Rothirsche als Verursacher wirtschaftlicher Schäden in Forst- und Landwirtschaft gelten.

Rothirsch steht seitlich zum Betrachter und schaut in die Ferne

Bild: Eiramesle (Pixabay)

Insekt des Jahres: Der Warzenbeißer:

Obwohl der Warzenbeißer in Europa und Asien weit verbreitet ist, geht sein Bestand seit Jahren zurück. Der Grund dafür liegt vor allem im Wandel der Landschaft: Intensivierte Landwirtschaft und Aufforstung zerstören seine natürlichen Lebensräume. Seinen ungewöhnlichen Namen verdankt das Insekt einem alten Volksglauben. Die Menschen nahmen früher an, dass sein kräftiger Biss und sein „scharfer Saft“ Warzen heilen könnten. Ein wirksamer Schutz des Warzenbeißers ist nur durch naturschutzorientierte Pflege, die Vernetzung von Lebensräumen und eine nachhaltige Bewirtschaftung möglich.

Warzenbeißer (eine Art Heuschrecke) sitzt in der Sonne auf Stein.

Bild: user589 (Pixabay)

Schmetterling des Jahres: Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist ein echtes Wunder der Natur. Seine jungen Larven lassen sich von Ameisen in deren Nester tragen, und das von Tieren, die sonst zu ihren größten Fressfeinden zählen. Möglich wird dies durch einen speziellen Duft, mit dem sich die Larven tarnen.

In den Nestern der Ameisen ernähren sich die Raupen von der Ameisenbrut. Dieses faszinierende Zusammenspiel zwischen Pflanze, Schmetterling und Ameise ist jedoch äußerst empfindlich. Schon kleine Veränderungen in der Wiesenbewirtschaftung oder im Klima können dieses Gleichgewicht stören.

Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling steht deshalb bereits auf der Vorwarnliste gefährdeter Pflanzenarten. Für den Schmetterling ist der Große Wiesenknopf besonders wichtig: Die Eier werden ausschließlich auf ihm abgelegt. Die Raupen ernähren sich anfangs von seinen Blüten, fallen anschließend zu Boden und lassen sich von den Ameisen verschleppen, wo sie schließlich parasitieren.

Bild: Jggrz (Pixabay)

Baum des Jahres: Die Zitterpappel

Die Zitterpappel ist nicht nur durch ihr Aussehen beeindruckend, sondern auch durch ihre Funktion. Für viele Tiere und Pflanzen ist sie von großer Bedeutung. Sie besiedelt schnell offene Flächen, regeneriert geschädigte Wälder und bietet zahlreichen Arten einen Lebensraum. Mehr als 60 Schmetterlingsarten nutzen ihre Blätter als Futterquelle.

Fast in ganz Europa und weiten Teilen Asiens ist die Zitterpappel heimisch, sogar im nördlichen Afrika kann man sie finden. Dank ihrer Fähigkeit, sich über Wurzelausläufer zu vermehren, kann sie nach „Störungen“ wie Sturm oder Feuer schnell neue Bestände bilden.

Bild eines Astes der Zitterpappel (Baum)

Bild: Hans (Pixabay)

Blume des Jahres: Ackerrittersporn

Der Ackerrittersporn findet sich in Getreideäckern, an Wegrändern, auf Brachen oder in lehmigen Erdhaufen. Er gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse und ist, wie viele seiner Verwandten, leicht giftig. Dennoch wurde er früher in der Medizin eingesetzt.

Seine Blütezeit reicht von Mai bis September. Durch den Einsatz von Herbiziden und Düngemitteln sowie die zunehmende Mechanisierung und Bodenbearbeitung bewirkt die intensive Landwirtschaft, dass die Vielfalt an Kulturpflanzen sowie Wildpflanzenarten erheblich reduziert wird.

Bild von vier blüten des Ackerrittersporn, mit einem kräftigen Lila

Bild: Rhiannon (Pixabay)

Pilz des Jahres: Igelstachelbart

Der Igelstachelbart ist vor allem in Laubwäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit zu finden. Meist wächst er als holzzersetzender Weißfäulepilz an frischem Totholz. Als Kultur- und Heilpilz gewinnt er zunehmend an Bedeutung und Bekanntheit.

Auch als Speisepilz ist der Igelstachelbart bekannt, dennoch sollten die Wildbestände geschont werden. Sein natürliches Verbreitungsgebiet umfasst Europa, Nord- und Mittelamerika sowie Ostasien. In der traditionellen chinesischen Medizin spielt er eine besondere Rolle. Aufgrund seiner Inhaltsstoffe werden ihm vielfältige Wirkungen auf Niere, Leber, Milz, Herz und Magen zugeschrieben.

Bild von dem Igelstachelbart, der an einer Stelle an einem Baum wächst.

Bild: Hericium erinaceus, ART11, Wikimedia Commons, CC0

Giftpflanze des Jahres: Gartenbohne

Die Gartenbohne ist giftig?! „Die habe ich doch schon viele Male gegessen, ohne dass ich krank wurde oder gestorben bin.“ Solche Gespräche gab es, als die Pflanze 2025 zur Wahl für die Giftpflanze des Jahres 2026 nominiert wurde. Und ja, sie ist wirklich giftig.

Aber keine Sorge: Das Phasin, der giftige Stoff der Pflanze, wird beim Kochen innerhalb von 15 Minuten bei 100 Grad zerstört und ist danach beschwerdefrei genießbar. Ursprünglich stammt die Gartenbohne aus Süd- und Mittelamerika, gelangte jedoch im 16. Jahrhundert nach Europa.

Phasin ist ein natürliches Toxin und dennoch stark giftig. Nur durch die richtige Zubereitung kann die Gartenbohne zum Verzehr ungefährlich gemacht werden.

Die Pflanze kann bis zu vier Meter hoch werden. Gegen 18 Uhr nehmen ihre Blätter die Schlafstellung ein, gegen 6 Uhr richten sie sich wieder auf und gegen Mittag stehen die Blätter in Nord-Süd-Richtung. Damit zählt die Gartenbohne zu den sogenannten Kompasspflanzen.

Libelle des Jahres: die gemeine Winterlibelle

Die Gemeine Winterlibelle ist die einzige heimische Libelle, die als erwachsenes Insekt überwintert. Sie sind braun-bronzefarben. So sind die im Winter gut getarnt. Ab Anfang April ist sie als erste Libelle dauerhaft aktiv.


Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert